Forschungsreise des Idd zum IFM

Zeit: 
Donnerstag, Juli 28, 2016 - 00:00 bis Sonntag, Juli 31, 2016 - 16:45

Eine weite und fröhliche reise unternahm das IDD um den versuchsrahmen der fordistischen Experimente zu erweitern.
Hierbei stellten wir uns den bedingungen der feldforschung und des feldes.

Das besuchte versuchsterretorium war ein Internationales Zeltlager, in selbstverwalteten Dörfern strukturiert.
Die Zelte orientierten sich gleichförmig um zentren und waren sämtlich von gleicher machart. (so auch der versuchsraum.)
Die Tischanordnung in Zelt 1 wurde als doppelseitiges fliessband mit separierten stationen eingerichtet,
in Zelt 2 stand eine Tischanordnung als gruppen-arbeits-bereich zur Verfügung.

Als Materialien standen zur Verfügung: acrylfarben, dispersionsfarbe, Magazine, Holzstifte, Filzstifte, Sprühdosen,
Farbwalze, spachtel und -masse, flüssigkleber, farbige brocken, Schneidewerkzeug, Schnur, Gummiringe, federn,
schwämme, nagellack, pinsel, farbbehälter, klebebänder, stoff.

 

Als semi-empirischen messfaktor setzen wir konstellation-prozess-material als variablen auf zeitachse x, den versuchsverlauf.
Das so entstandene produkt ist der sich ergebende y-wert, der in intervallen festgehalten wird.

Die variablen bilden Zwischenstadien auf der x-achse ab, verändern sich autonom oder werden neu eingesetzt.
Ein neuer y-wert ergibt sich!
Im y-wert angezeigt: grad der unordnung, durchschnittlicher farbwert, form- und personenkonstellation,
 verhältnisse von personen- und bildkonstellation, verschwammungsgehalt, beschädigungsfaktor, konstruktion.
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Angewandte Produktionsformen und eingesetzte Variablen:

Das Rotationskunstwerk

Das Rotationskunstwerk ist ein territoriales Experiment.
Es gilt zu erkunden, ob „jeder gegen jeden“ oder „alle miteinander“ schaffen.
Die Beteiligten sitzen um einen quadratischen Zeichengrund
und beginnen nach Lust&Laune zu malen/zeichnen/kleben. Alle drei Minuten wird der Zeichengrund gedreht.
Dabei kommt es zu verschiedenen Wechselbeziehungen zwischen den Beteiligten.
Es wartet ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.

Das fordistische Kunstwerk

Die fordistische Produktionsweise ist eine Form der Massenproduktion, die sich in den Fabriken
nach dem 2. Weltkrieg durchzusetzen begann. Sie ist gekennzeichnet durch eine
hochgradig spezialisierte Arbeitsteilung. Jede_r ArbeiterIn, jede Maschine erfüllt eine sehr spezielle Funktion.
Das fordistische Kunstwerk ist ein Massenprodukt und wird am Fließband produziert.
Dabei hat jede_r Beteiligte einen eigenen Materialpool und muss damit arbeiten.
Es gibt vier Stationen:
1) Malen mit Acrylfarben,
2) Linien und Striche Zeichnen,
3) Collagenmaterial ausschneiden und aufkleben,
4) Namen und Preis des Kunstwerks festlegen, unterschreiben.
Innerhalb von 30 Minuten müssen alle einmal durchwechseln.

Das Konsenskunstwerk

Beim Konsenskunstwerk sind alle Teilnehmer_innen an der Entscheidung beteiligt,
wie das Kunstwerk ausgeführt werden soll. Sie müssen sich auf Motiv, Farben und Material einigen,
wie viele Leute das Kunstwerk ausführen sollen und wie darüber entschieden werden soll.
Das Konsenskunstwerk übeträgt den beteiligten sämtliches Material,
sowie die entscheidung über die Prozesssteuerung.
Hierbei wird die Dynamik einer selbstorganisation auf mikro-ebene sichtbar gemacht

Das autoritäre Kunstwerk

Das autoritäre Kunstwerk veranschaulicht die Macht derjenigen, denen Produktionsmittel
und Personalkräfte zur Verfügung stehen. In der Runde werden Zettel aus einer Box gezogen,
sodass jede eine bestimmte Rolle bekommt. So entscheidet sich, wer die Chefin vom Dienst ist.
Sie entscheidet über den gesamten Produktionsprozess und trägt die volle Verantwortung für das Produkt.
Sie entscheidet über:
1)Material- und Werkzeugbereitstellung
2)Welche Menge an Kunstwerken hergestellt werden soll
3)Was gemacht werden soll
4)Die Produktionsart
5)Die Qualitätskontrolle
6)Die Präsentationsform

Alle Beteiligten müssen eine halbe Stunde beschäftigt sein.

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Als basis-forschende beteiligt waren Personen in kleingruppen, die sich zwischen
dem 10. und 20. Lebensjahr befanden. Sie kamen aus unterschiedlichen kontexten,
zumeist jedoch ohne bisherige berührungspunkte mit der kunstproduktion.
Ihnen wurden sämtliche Herstellungsprozesse übertragen.

Als meta-forschende betätigte sich die offene feldforschungs-abteilung des
institut de destabilisation. Diese war verantwortlich für den Versuchsaufbau,
die prozessinitiation und variableneingabe.