Mission TTD 1106. Join the crew Bugchus-306

Am 11 Juni um 15 Uhr am Rathenauplatz:

„Und was ist denn in diesem Sinne die Mission?“ Simons Augen huschten über die Apparaturen des Cockpits, sie drosselte die Geschwindigkeit der Bugchus-306 und sah Jonathan mit ernster Miene ins Gesicht. „Du weißt doch“, begann sie, „dass ich mich weigern werde ein Manifest abzulegen. Es gibt kein absolutes Ziel und das versuche ich dir jetzt schon seit Wochen klar zu machen.“ Jonathan erhob sich aus einem der Sitze und begann auf der kleinen Kommandobrücke auf und ab zu spazieren. Er musterte sein Spiegelbild in der Frontscheibe und überprüfte seine Lippenstiftkontur.

„Aber warst du nicht diejenige, die mir zwei Nächt lang von den Ungerechtigkeiten des Systems erzählt hat. Es ja abzusehen war, dass nach der Expansion in den Weltraum der Ressourcen Krieg ausbrechen würde. Dass dich die Rausch- und Genusssucht krank machen würde, der kollektive Zwang der Glückseligkeit, während der Wohlstand und das Wachstum zerstörerisch auf den weniger gesegneten Planeten wüten. Trotzdem fällt dir nichts anderes ein, als deine eigenen Grenzen ständig ans Limit zu pushen. Du schläfst zu wenig, du isst kaum und wenn du dich nicht künstlich in den Hyperschlaf versetzt knirschen deine Zähne nachts so laut, dass du fast alle an Bord wach hältst damit.“

„Ich habe doch auch gar nicht gesagt, dass ich nichts ändern möchte“, brummte sie zurück. „Aber ich werde nun eben nicht anfangen mir mein eigenes ideologisches Zwangshaus zu schaffen, um die Massen zu überzeugen. Die Chance liegt im individuellen Aufbegehren oder, wie in unserem Fall, in Kleingruppen, die das Gefüge stören. Das verhält sich ein wenig wie mit einer Virusinfektion, andere Zellen angehen oder ausgewählt binden. Wir sind mittlerweile an der Peripherie des gesellschaftlichen Randes gerückt, Piraten, Jonathan, Piraten und Schmuggler nichts weiter als das. Peiratés, wir sind Angreifer, dies ist ein Angriff auf die scheinbar so wohlgeordnete Freiheit. Freibeuter in den Sternen.“

Die freundliche und präzise Stimme des Bordcomputers unterbrach Simon. „An alle organischen & anorganischen Lebensformen, in wenigen Minuten erreichen wir die Koordinaten 50.113970, 8.676558. Die Außentemperatur beläuft sich auf angenehme 301,15 Kelvin mit einer leichten Brise. Stellen Sie vor verlassen des Schiffes bitte sicher, dass ihre technischen Werkzeuge voll geladen und einsatzbereit sind. Wir wollen schließlich das kleine Malheur des letzten Festlandbesuches nicht wiederholen.“ Und mit einem leisen kichern verabschiedete sich das Androide System wieder in den Stand-By.

Simon griff nach ihrer Jacke und der vorgepackten Tasche mit diversen Tools. Sie beugte ihren Oberkörper über das Lautsprechermikrophon und ihre Stimme hallte durch die Gänge des alten Frachtladers: “Wir werden in wenigen Minuten die Miklat-Station-907 erreichen, findet euch bitte im Luken Bereich ein. Die Vorgehensweise haben wir gestern ausführlich besprochen, ich gehe daher davon aus, dass allen ihre Aufgaben klar sind. Sollten wir den Kosmodrom für uns gewinnen können, ist unsere Position gestärkt. Wir werden gemeinsam versuchen ihn für unsere Zwecke zu erobern. Eine Destabilisierung des Kommunikations-Panoptikums ist notwendig.” Ihr Finger hob sich vom ‚On-Air‘-Knopf und beide machten sich auf den Weg in die Gedärme der Bugchus-306.